Königin Luise von Preußen

geb. 10.03.1776, gest. 19.07.1810, Prinzessin zu Mecklenburg-Strelitz und spätere Königin von Preußen
Die bis heute beliebteste deutsche Königin war Luise – schön, anmutig, sanft, heiter, natürlich, charmant, ohne Allüren und Dünkel und ihrem überforderten und oft verstimmten Gatten, dem preußischen König Friedrich Wilhelm III., bedingungslos ergeben – nach einer kurzen Phase jugendlichen Aufbegehrens, das ihr bald restlos ausgetrieben wurde. Luise Auguste Wilhelmine Amalie, Prinzessin zu Mecklenburg-Strelitz, wurde 1776 im Alten Palais an der Leinstraße geboren; sie verbrachte ihre ersten zehn Lebensjahre in Hannover. Ihr Vater, Prinz Carl zu Mecklenburg-Strelitz, war von seinem Schwager, dem englischen König Georg III. (zugleich Kurfürst von Hannover) zum Gouverneur von Hannover ernannt worden. Als Luise sechs Jahre alt war, starb ihre Mutter, Friederike von Hessen-Darmstadt, nach zehn Geburten mit nicht einmal dreißig Jahren im Kindbett. Der Vater heiratete daraufhin eine Schwester seiner Frau, die aber schon nach der Geburt ihres ersten Kindes starb. Carl brachte seine überlebenden Kinder bei ihrer Großmutter in Darmstadt unter und begab sich auf Reisen.
Auf die geistige Ausbildung von Prinzessinnen wurde damals kein Wert gelegt. Wichtig waren Schönheit und Liebreiz. Luise, als Kind mit Beinamen wie "Jungfer Husch" und "unsre tolle Luise" bedacht, war noch als Jugendliche kindlich unbefangen und verspielt. Der Stadtpfarrer von Darmstadt gab den drei Schwestern Konfirmandenunterricht. Für die unumgängliche Ausbildung in der französischen Sprache und in höfischer Etikette sorgte Mademoiselle Salomé de Gélieu, die zuvor im damals preußischen Neuchâtel ein Mädchenpensionat geleitet und in England als Erzieherin in aristokratischen Familien gearbeitet hatte. Zusätzlich erhielten die Prinzessinnen Unterricht in Englisch, Geschichte und Deutsch sowie im Zeichnen und Malen und im Klavierspiel. Luise war keine eifrige Schülerin. Ihre französisch geschriebenen Briefe blieben lebenslang fehlerhaft und erst viel später, in Berlin, ging sie daran, einige der größten Bildungslücken zu schließen. Dort ließ sie sich über Geschichte und Philosophie informieren und bat Freundinnen wie Marie von Kleist und Caroline von Berg, sie bei der Auswahl ihrer Lektüre zu unterstützen.
Nach der Heirat 1793 mit dem Kronprinzen Friedrich Wilhelm III. von Preußen bestand ihre Hauptaufgabe im Gebären von – möglichst männlichem – Nachwuchs zur Sicherung der Dynastie. Am 15. Oktober 1795 schenkte Luise dem späteren König Friedrich Wilhelm IV. und am 22. März 1797 ihrem zweiten Sohn, dem nachmaligen Kaiser Wilhelm I. das Leben. Insgesamt brachte Luise 10 Kinder zur Welt, drei davon starben sehr früh. Die Ehe des Kronprinzenpaares war von großer Zuneigung füreinander geprägt, ihr Familienleben ausgesprochen glücklich.
Am 16. November 1797 starb Friedrich Wilhelm II., der Kronprinz übernahm als Friedrich Wilhelm III. die Regierung und Luise wurde mit 21 Jahren Königin von Preußen.
Am 13. Juli 1798 kam ihre Tochter Charlotte, die später den russischen Zaren Nikolaus I. heiraten sollte, zur Welt.
Luises letzte Lebensjahre waren überschattet von den Folgen der Niederlage Preußens gegen Napoleon in der Schlacht bei Jena und Auerstedt 1806. Das Königspaar musste fliehen und blieb bis Ende 1809 im Exil in Ostpreußen, oft unter entwürdigenden Bedingungen. Erschöpft von dieser Biographie verstarb sie am 19. Juli 1810 während eines Sommeraufenthalts bei ihrem Vater in Hohenzieritz mit nur 34 Jahren. Den Untergang Napoleons und die glanzvolle »Wiedergeburt« Preußens erlebte die lebendige Königin Luise nicht mehr. Ihr Mythos wurde allerdings zum Inbegriff des Widerstands gegen Napoleon. Sie wurde zum Symbol für den Wiederaufstieg Preußens und für die Entwicklung hin zum Deutschen Kaiserreich. So reichte ihre historische Bedeutung weit über den Einfluss hinaus, den sie als Königin von Preußen tatsächlich hatte.