Das Innere des Schlosses

Ein Kleinod voller Kostbarkeiten

Der Verlauf der Geschichte hat es ermöglicht, dass im Schloss in Mirow große Teile der prachtvollen Raumkunst des Barock und Rokoko erhalten geblieben sind. Nachdem die anderen Residenzen des Herzogtums Mecklenburg-Strelitz verloren gingen oder ihrer Innenausstattung beraubt wurden, ist Mirow ein einzigartiges Zeugnis der Strelitzer Landeskultur. Aber auch über die Grenzen des Herzogtums hinaus sind die Kunstschätze dieses Kleinods bekannt, da sie in ihrer Geschlossenheit und Besonderheit eine Seltenheit darstellen.
Die erhaltenen Raumkunstwerke stammen zumeist aus dem 18. Jahrhundert. Die prachtvolle Ausgestaltung des Festsaales im Obergeschoss ist in der ersten barocken Phase des Schlosses vor 1712 entstanden. Der italienische Stukkateur Giovanni Battista Clerici, der in vielen Schlössern in Norddeutschland tätig war, war für die Ausgestaltung verantwortlich. Eine Flut von barocken Formen und Figuren überwältigt das Auge. Flache Pilaster gliedern die Längswände, dazwischen finden sich emblematische Darstellungen. Über den Kaminen halten vollplastische Puttofiguren große Wappenkartuschen. Putten sind überhaupt zahlreich in diesem Raum vertreten. So entdeckt man in der Voute über beiden mittleren Fenstern zweimal den gleichen nackten Putto. Dargestellt ist er einmal von vorne, wie er auf der Gartenseite mit einer mit festlichen Leckereien angefüllten Etagere den Raum betritt. Auf der gegenüberliegenden Seite verlässt er den Saal wieder mit einer leeren Etagere. Unzählige solcher Details erwarten den Betrachter.

 
Auf der südlichen Seite des Gebäudes schließen sich an den Gartensaal im Erdgeschoss die Räume an, die sich Herzoginwitwe Elisabeth Albertine in den 50er Jahren des 18. Jahrhunderts zu ihrem Appartement herrichten ließ. Dazu gehörten das direkt an den Gartensaal anschließende Audienzzimmer, die sogenannt Rote Audienz.

Dahinter ein Raum, der wahrscheinlich ein Schreibzimmer gewesen sein dürfte, ein kleines Alkovenschlafzimmer, mit einer in die Wand eingebauten Bettnische, ein weiteres größeres Zimmer und das kleine, sogenannte Kuriositätenkabinett mit chinoisen Dekorationen. Mit der Ausstattung dieser Räume wurde der Hofbildhauer Simon Gehle, der auch Arbeiten im Neustrelitzer Schloss ausführte, beauftragt. Bis heute haben sich die aufwendig geschnitzten Wandverkleidungen, Öfen, Teile des Mobiliars und Stuckarbeiten erhalten.
Es haben sich noch weitere Kostbarkeiten erhalten. So finden sich im Obergeschoss mehrere Zimmer, die mit handbemalten Tapeten ausgestattet sind. Eine Tapete ist mit zarten Streublumen, die blaue und rote Blüten haben, bemalt. Eine andere Tapete zeigt stilisierte, florale Motive, die leicht chinoise wirken auf rosafarbenem Grund. Ähnliche Tapeten in anderen Farben und Mustern haben sich in anderen Räumen gefunden. Sie entsprechen dem Geschmack des Rokoko für leichte und verspielte Dekorationen. Zwei Räume weisen ganz besondere Tapeten auf, die wie Gemälde auf grundierte Leinwand gemalt wurden und bei denen jede Bahn ein eigenständiges Motiv in aufgemalten Rahmen zeigte. Die Tapeten des einen Zimmers zeigen Blumenstillleben, die vor einem landschaftlichen Hintergrund ausgebreitet sind. Die Besonderheit liegt in diesem Falle an der Himmelsdarstellung. Es wird die Stimmung eines aufkommenden Gewitters evoziert, weshalb der Raum den Namen Gewitterzimmer erhalten hat.
Kabinett mit Watteauschen Szenen © 2014 Jörn LehmannGalerie Ein anderer Raum ist mit Tapeten der gleichen Machart ausgestattet. Hier zeigen die einzelnen Paneele Liebespaare, die sich in Parklandschaften vergnügen. Man nennt solche Darstellungen auch Schäferszenen. Nach ihrer Restaurierung sollen die wertvollen Tapeten wieder in das Schloss in Mirow zurückkehren und nach der Eröffnung zu besichtigen sein. Und auch im Obergeschoss haben sich in fast allen Räumen reich verzierte Stuckdekorationen erhalten.