Schloss Güstrow

Stuckdecke über der Tordurchfahrt im Westflügel. © 2008 Carsten Neumann

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Schloss Güstrow

Schloss Güstrow. Westfassade.
Herzog Ulrich zu Mecklenburg (1527–1603) ließ ab 1558 die ein Jahr zuvor weitgehend durch Brand zerstörte mittelalterliche Fürstenburg in Güstrow zu einer prachtvollen Residenz im Stil der Renaissance umgestalten. Federführender Architekt war der italienischstämmige Franz Parr (gest. 1580), der zusammen mit seinen an der Innenausstattung beteiligten Brüdern bis 1567 am neuen herzoglichen Schloss arbeitete. Er errichtete den West- und Südflügel in einer für die Architektur der Renaissance einmaligen Formensprache, die deutsche, italienische und französische Einflüsse miteinander verbindet. So entstammt die Gliederung der Fassaden durch horizontale Gesimse und kräftige Quaderung der italienischen Palastbaukunst. Die Ecktürme, der Südturm mit der Wendeltreppe und die vielen phantasievoll gestalteten Schornsteine auf den hohen Dächern gehen auf französische Vorbilder zurück. Die Asymmetrie der Westfassade und die hohen Giebel stehen in mitteleuropäischer Tradition.

Schloss Güstrow © PrivatbesitzGalerie Unvollendet blieb der von Parr begonnene Südflügel mit der an südländische Bauten erinnernde Arkadenwand auf der Hofseite. Die Ostwand des Gebäudeteils zeigt deutlich, dass der Bau nach Osten hin verlängert werden und vermutlich auch links des Treppenturms mit einer Bogengalerie versehen werden sollte. Aufgrund des Fortgangs des Architekten nach Schweden blieb diese Planung unausgeführt.
Schloss Güstrow © 2008 Carsten NeumannGalerie Nach einem erneuten Brand, der 1586 den noch verbliebenen Burgflügel an der Nordseite zerstörte, wurde das Schloss bis 1598 durch den neuen Hofbaumeister, den Niederländer Philipp Brandin (gest. 1594), und dessen Gesellen Claus Midow (gest. 1602) um den Nord- und den Ostflügel erweitert. Damit entstand ein fast vollständig umschlossener vierseitiger Innenhof. Deutlich wird an dem heute nur noch etwa zur Hälfte erhaltenen Nordflügel die schlichtere Formensprache der niederländischen Renaissance, was den in jener Zeit knappen finanziellen Mitteln für den Schlossbau entgegenkam.
Das Schloss blieb in den nächsten Jahren im Wesentlichen in seiner äußeren Form unverändert. 1620 schuf der Stuckateur Daniel Anckermann für Johann Albrecht II. (1590–1636), ab 1621 erster Herzog von Mecklenburg-Güstrow, die reich mit Jagdszenen aus aller Welt geschmückte Stuckdecke im Festsaal.
Schloss Güstrow © 2008 Carsten NeumannGalerie Erneute Bautätigkeit gab es 1628/29, als der kaiserliche Generalissimus Albrecht von Wallenstein (1583–1634) das Güstrower Schloss zu seiner Residenz erkor. Durch den Kaiser wurde Wallenstein mit dem gesamten Herzogtum Mecklenburg bis zur Erstattung seiner Kriegskosten belehnt. Der kunstsinnige Feldherr, der bereits in Prag ein prachtvolles Palais errichten ließ und weitere Schlösser in Böhmen besaß, plante die Vollendung des Südflügels und die Umgestaltung des Festsaals im frühbarocken Stil. Diese Projekte gelangten jedoch nicht über die Fundamente hinaus und wurden nach der Abreise Wallensteins 1629 und Rückkehr des legitimen Güstrower Herzogs nicht weiter verfolgt.
Letzte bauliche Erweiterungen und Veränderungen gab es in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts, in der Regierungszeit des letzten Güstrower Herzogs Gustav Adolf (1633–1695). Dessen Architekt Charles Philipp Dieussart (um 1625–1696?) fügte dem Ensemble um 1670 die Schlossbrücke und das auf niederländische Vorbilder zurückgehende frühbarocke Torhaus hinzu. Auch der so genannte "Steinerne Gang" an der Hofseite des Nordflügels, hinter dem sich die Schlossküche befand, stammt aus jenen Jahren.
Schloss Güstrow © 2008 Carsten NeumannGalerie Mit dem Aussterben der Güstrower Herzogslinie 1695 und dem Abstieg der Stadt zur Nebenresidenz der Schweriner Herzöge begann der Verfall des nun weitgehend ungenutzten Schlosses. 1795/96 wurden der gesamte Ost- und der halbe Nordflügel abgebrochen. Von 1817 bis 1945 war im Schloss das Landarbeitshaus für Mecklenburg untergebracht. In dieser Zeit gingen viele Teile der einstmals reichen Innenausstattung durch Umbauten und Durchbrüche verloren. Dennoch konnten sich wesentliche Räume und Elemente der Ausstattung erhalten und wurden wie das Äußere des Schlosses während der 1963 begonnenen Restaurierung wiederhergestellt.
Seit 1972 wird das Güstrower Schloss museal genutzt. Zu sehen sind hier heute Kunstwerke aus den Beständen des Staatlichen Museums Schwerin, das im Schloss eine Außenstelle unterhält. In den nächsten Jahren stehen erneute Restaurierungsmaßnahmen an, in die das Land Mecklenburg-Vorpommern erhebliche finanzielle Mittel investieren wird.

Adresse

Staatliches Museum Schwerin
Schloss Güstrow
Franz-Parr-Platz 1
18273 Güstrow

Telefon: 0049-3843-7520     Fax: 0049-3843-682251
eMail: info@schloss-guestrow.de

Öffnungszeiten

15. April bis 14. Oktober: täglich 10 bis 18 Uhr
15. Oktober bis 14. April: Dienstag bis Sonntag 10 bis 17 Uhr