Das Schloss Bothmer

Blick auf das Schloss Bothmer aus der Luft. Foto: Rainer Cordes
Foto: Rainer Cordes
Unweit der Ostsee gelegen erstreckt sich unmittelbar vor den Toren der Stadt Klütz die größte barocke Schlossanlage Mecklenburg-Vorpommerns. Das aus mehreren miteinander verbundenen Gebäuden bestehende Ensemble mit seinen rot leuchtenden Backsteinfassaden zieht jährlich viele tausend Besucher an. Schloss Bothmer vereint in seiner Architektur viele europäische Einflüsse und macht es so zu einem einzigartigen Denkmal barocker Baukunst in Norddeutschland.
Schloss Bothmer, Hauptgebäude © Carsten NeumannGalerie Erbaut wurde Schloss Bothmer in den Jahren 1726–1732 von dem Architekten Johann Friedrich Künnecke (gest. 1738). Bauherr war Reichsgraf Hans Caspar von Bothmer (1656–1732), der als Diplomat in den Diensten der hannoverschen Kurfürsten stand und während langjähriger Missionen an vielen Höfen Europas weilte.
So verhalf Bothmer durch kluges Handeln seinem Dienstherren Kurfürst Georg Ludwig von Hannover als Georg I. auf den englischen Königsthron. Georg I. zeigte sich Hans Caspar von Bothmer gegenüber in besonderer Weise erkenntlich. Er überließ seinem ersten Minister für die deutschen Angelegenheiten 1720 ein Wohnhaus am Londoner St. James´s Park, in dem Bothmer (in England Bothmar) bis zu seinem Tod 1732 leben sollte und das anschließend zum Amtssitz des britischen Premierministers wurde. Von 1720 bis 1732 trug die Downing Street 10 den Namen seines damaligen Bewohners, "Bothmar House". Auch dürfte sich der König finanziell für die Verdienste seines Diplomaten erkenntlich gezeigt haben.
Aufgrund der Lebensstationen des Reichsgrafen verwundert es nicht, dass Schloss Bothmer direkt auf englische und holländische Vorbilder zurückgeht, zu denen u.a. das niederländische Schloss Het Loo, das später zum Königspalast umgebaute Buckingham House in London und die königliche Messinggießerei im Arsenal von Woolwich bei London zählen. Das Schloss war der repräsentative und wirtschaftliche Mittelpunkt ausgedehnter Besitzungen, die Hans Caspar von Bothmer im fruchtbaren Klützer Winkel erworben hatte und auf denen er ein Majorat zugunsten der Nachfahren seines Bruders Friedrich Johann einrichtete. Die Fertigstellung des Schlosses erlebte der Bauherr allerdings nicht mehr. Sein Neffe Hans Caspar Gottfried von Bothmer (1694–1765) und dessen Gemahlin Christina Margarethe von Bülow (1708–1786) zogen als erste Bewohner in das Haus ein. Ihre aus Stuck gearbeiteten Porträtmedaillons sind noch heute über den Kaminen im Vestibül des Hauses zu sehen.
Bis 1945 bewohnte die Familie von Bothmer das Schlossensemble. In der Nachkriegszeit war das Haus zunächst Isolierkrankenhaus. In den Jahrzehnten von 1948 bis 1994 diente das Schloss als Altersheim und wurde in seinen Seitenflügeln massiv umgebaut. Lediglich das Hauptgebäude und das östlich anschließende Kavaliershaus blieben von größeren Umgestaltungen verschont. Hier haben sich prachtvolle Stuckdecken, reich geschmückte Kamine, ein kostbares Intarsienkabinett und eine große Zahl von Holzpaneelen erhalten.
Schloss und Park Bothmer befiinden sich seit dem 1. Februar 2008 im Besitz des Landes Mecklenburg-Vorpommern. Nach der gescheiterten Privatisierung wird das Land das Schlossensemble in den nächsten Jahren denkmalgerecht restaurieren.
 
Seit dem 1. März 2009 ist Schloss Bothmer aufgrund der beginnenden Restaurierungsmaßnahmen nicht mehr öffentlich zugänglich.
 
Nach Abschluss der Restaurierungsarbeiten wird Schloss Bothmer am 23. Mai 2015 mit einem großen Fest eröffnet.
 
Der Park ist bereits restauriert und öffentlich zugänglich.