Schlossgarten Güstrow

Blick auf Schloss Güstrow und den Schlossgarten von Südosten. Foto: Stephan Rudolph-Kramer Foto: Stephan Rudolph-Kramer
Zeitgleich mit dem Bau des Renaissanceschlosses ließ Herzog Ulrich zu Mecklenburg ein großes Lustgartenparterre anlegen, dessen aufwendige Gestaltung mit Laubengängen, Lusthäusern, Wasserspielen und duftenden Pflanzen schon die Zeitgenossen faszinierte. Bildliche Darstellungen dieses frühen Renaissancegartens sind nicht bekannt. Nur noch schriftliche Überlieferungen vermitteln ein Bild des reich geschmückten und von Wassergräben umgebenen Gartenareals. 1590 berichtete der fahrende Schüler Michael Frank von seinem Besuch der herzoglichen Residenz in Güstrow: "Derselbe Garten ist mit lustigen Spatziergängen, Wasserbrünnlein, verborgenen Wasserquellen, wohlriechenden Kräutern ... gepflanzet, ausländischen Früchten und Blumen geschmücket, und also recht fürstlichen zugerichtet, daß man in Sommerzeiten sein im Schatten spazieren gehen und verlustigen können ..."
Schloßgarten Güstrow, Kupferstich von Caspar Merian © PrivatbesitzGalerie Im 17. Jahrhundert wurde der Garten durch die nachfolgenden mecklenburgischen Herzöge und durch Albrecht von Wallenstein, der 1628/29 in Güstrow residierte, umgestaltet und dem jeweiligen Zeitgeschmack angepasst. Dabei blieb die Grundstruktur des Gartens erhalten und ist auf Kupferstichen überliefert. Wallenstein ließ exotische Blumen, kleinere Obstbäume, Gewürze und die erst im 16. Jahrhundert nach Europa importierten "Erdäpfel" als botanische Besonderheit in den Garten pflanzen. Johann Albrecht II. zu Mecklenburg-Güstrow nutzte die umgebenden Kanäle zu Lustbarkeiten auf dem Wasser. In der Regierungszeit seines Sohnes Gustav Adolf wurden die Gartenanlagen durch frühbarocke Bauten erweitert. Die um 1670 erbaute Schlossbrücke verband das neue Torhaus mit dem Schloss, ihre verglasten Bögen dienten zur Überwinterung exotischer Kübelpflanzen. Die Bereiche seitlich der Brücke wurden zum Brunnengarten umgestaltet, in dem u.a. ein heute nicht mehr erhaltener Brunnen mit einer bleiernen Herkulesskulptur aufgestellt wurde.
Nach dem Aussterben der Güstrower Herzogslinie 1695 wurden Schloss und Garten nur noch wenige Jahre genutzt und verfielen im Laufe des 18. Jahrhunderts. Spätestens mit der Einrichtung des Landesarbeitshauses, das von 1817 bis 1945 im Schloss untergebracht war, ist der herzogliche Schlossgarten untergegangen. Erst im Zuge der Restaurierungsarbeiten in den 1960er und 1970er Jahren entstand der Lustgarten wieder. In seiner heutigen Form lehnt er sich an die Darstellungen aus dem 17. und frühen 18. Jahrhundert an. Schattige Laubengänge und duftender Lavendel prägen nun das Bild des Gartens, der in den kommenden Jahren einer grundlegenden Restaurierung unterzogen werden wird.